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| Nach Auskunft des Heilpraktikers Wolfgang H. Müller, der die Gray-Kur bei uns eingeführt hat, ist "ein realistischer Zeitraum von mindestens drei Monaten anzusetzen", um beim üblichen Grad der Verschlackung eine gründliche Reinigung zu erreichen. Von den zahlreichen propagierten Schnellverfahren ("Quickies") hält Müller wenig: "Man kann den Darm nicht zu etwas zwingen". Für gehetzte Managertypen möge so etwas bedingt taugen, für die meisten Menschen indes nicht. Vor allem deshalb nicht, weil auch die Psyche Zeit brauche, sich von alten Gewohnheiten zu befreien und die verdrängten Lebensthemen zu bearbeiten, die während der Darmreinigung manchmal bewußt werden. Erst am Ende eines oft schwierigen "Loslaßprozesses" könne aus der "degenerierten Müllkippe" wieder eine "Wiege der Gesundheit" werden. Auf der körperlichen Ebene treten selbst bei vorangegangener CHT oder nach dem Fasten noch intensive Ausscheidungsreaktionen auf: Häufigkeit, Menge und Form des Stuhls verändern sich, ebenso der Geruch, wenn gärendes Material abgeht. Stuhldrang nach jeder Mahlzeit ist nicht ungewöhnlich und durchaus erwünscht.
Bisweilen verlassen neben zähen, gummiartigen Ablagerungen auch Parasiten wie Würmer und Pilze den Verdauungstrakt, selbst Bandwurmabgänge wurden beobachtet. Solch dramatische Veränderungen sind aber nicht die Regel, dafür ist in den meisten Fällen ein spürbarer Zuwachs an Vitalität spürbar. Überflüssige Pfunde verschwinden eher nebenbei, Schlanke verlieren dagegen kaum Gewicht. Die Entgiftung erfaßt den ganzen Organismus, was unter anderem in einem gesteigerten Traumerleben zum Ausdruck kommt. Wer schon immer vorhatte, sich von alten Mustern zu trennen und einen echten Neubeginn sucht, erhält durch die Gray-Kur den notwendigen Motivationsschub. Eine psychotherapeutische Begleitung ist normalerweise nicht erforderlich.
Die Darmsanierung nach Gray ruht im wesentlichen auf zwei Säulen, die durch flankierende Maßnahmen ergänzt werden: den Reinigungstabletten und dem Massebildner, die - allmählich steigernd - für etwa ein Vierteljahr einzunehmen sind. Bei den Reinigungstabletten handelt es sich um Kräuterpressungen mit dem pflanzlichen Bindemittel Duratex, die Myrtenbaumrinde, Guargum, Irisches Moos, Maisfaden-Extrakt, Rosmarin, Vogelmiere, Gewürznelken und Spitzwegerich enthalten. Der Massebildner ist aus Flohsamenschalen, Löwenzahnwurzel, Zwiebeln, Spirulina-Algen, Gewürznelken und Calcium Pantothenat zusammengesetzt. Die Kräuter sind so kombiniert, daß sich ihre Einzeleigenschaften zu verschiedenen synergistischen Gesamtwirkungen addieren. Dadurch wird erreicht, daß auch die härtesten und verklebtesten Substanzen aufweichen und sich von der Darmwand lösen. Darmregulatoren beugen Verstopfung und Durchfall vor, sogenannte Karminativa vermindern die Gasbildung, lymph- und blutsäubernde Mittel sorgen für den schnellen Abfluß von Zelltrümmern und Entzündungskeimen und wirken einer erhöhten Toxizität des Blutes durch freigesetzte Gifte entgegen. Spirulina, Calcium und Zwiebeln tragen schließlich zur natürlichen Vermehrung der patienteneigenen Laktobakterienflora bei. Auf die äußerliche Zufuhr von Zuchtstämmen wird bewußt verzichtet.
Obwohl die Darmsanierung nach Gray im Prinzip ohne Umstellung der Alltags- und Eßgewohnheiten möglich ist, wird die Bedeutung einer vollwertigen, vitalstoffreichen Ernährung nicht übersehen. "Wenn der Körper auf Reinigung umschaltet, ist es unsinnig, Schokolade zu essen", sagt Müller. "Das ist genauso, wie wenn ich beim Fasten weiter rauche". Grundsätzlich kann jeder Gesunde die Gray-Kur durchführen, jedoch nicht länger als fünf Monate, um Gewöhnungseffekte zu vermeiden. Schwangeren rät Müller davon ab, "einen Loslaßprozeß in einer Zeit zu beginnen, da die Frucht heranreifen und gehalten werden soll. Während der Stillzeit kann ein Reinigungsprozeß jedoch auch für das Baby von Vorteil sein." Abstand nehmen sollten auch Patienten mit frischen Operationsnarben im Verdauungstrakt (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) und Menschen, die regelmäßig Nitrofurantoin, Digitalis oder Salicylate einnehmen, da hier Wechselwirkungen zu befürchten sind.
Quelle: Schrot & Korn
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